Rückblick auf die Fachtagung „Gute Pflege braucht gute Bedingungen“

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Am 1. Oktober 2026 war das Kulturzentrum Pavillon in Hannover gut gefüllt. Rund 50 Teilnehmende, überwiegend Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen, waren unserer Einladung gefolgt, um über eine Frage zu sprechen, die im Arbeitsalltag oft zu kurz kommt: Was erleben Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrungen zusätzlich zu Zeitdruck, Personalmangel und körperlicher Belastung und was macht das mit ihnen?

Die Antwort war über den ganzen Nachmittag hinweg eindeutig: eine ganze Menge. Da es in den Einrichtungen aber in der Regel keine Kommunikationskultur zu Rassismus und Diskriminierung gibt, bleiben die Betroffenen mit den Erfahrungen allein.

Prof. Dr. Miriam Richter (HAW Hamburg) zeigte in ihrem Vortrag zur rassistischen Diskriminierung von Pflegefachkräften, wie tief Rassismus in den Strukturen der Pflege steckt und welche Auswirkungen dies für die Betroffenen und das allgemeine Arbeitsklima hat. Dr. Sabine Könninger vom Zentrum ÜBERLEBEN in Berlin stellte erste Ergebnisse aus dem Projekt „Transkulturelle Öffnung in der Pflege“ vor. Ihr Vortrag trug den Titel „‚Das ist doch nur die Wahrnehmung der Azubis'“. Genau diese Relativierung benannte den Kern des Problems: Diskriminierung wird nicht ernst genommen, sondern den Betroffenen selbst zugeschrieben.

Robin Marks gab im Anschluss einen kurzen Überblick über den Stand des Projekts „Rassismus macht krank“. Neben der Situation der Pflegekräfte rückte er die Erfahrungen von Patient*innen of Colour in den Fokus.

In der Podiumsdiskussion machten Marianne Junko Muramatsu (Enfermeiros na Alemanha – Nurses in Germany e.V.), Magdalena Barth (Berufsfachschule Pflege des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel) und Helene Graf-Albrandt (Klinikum Region Hannover) deutlich, wie eng fachliche Integration und persönliche Anerkennung zusammenhängen.

Eine Aussage blieb vielen im Saal hängen: Abwanderung beginnt nicht mit der Kündigung, sondern mit der Erfahrung, nicht willkommen zu sein.

Was wir mitnehmen:

  • Diskriminierung ist ein Arbeitsplatzrisiko und muss wie jedes andere Risiko systematisch reduziert werden – durch klare Beschwerdewege und Führungskräfte, die hinschauen.
  • Die Verantwortung für das Sichtbarmachen von Rassismus liegt bei den Institutionen, nicht bei den Betroffenen.
  • Veränderung gelingt dort, wo migrantische Selbstorganisationen und Regelstrukturen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, im Klinikum, in der Pflegeschule, in der Personalabteilung.

Die Tagung fand im Rahmen unseres Projekts „Rassismus macht krank“ statt, das wir gemeinsam mit der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V. (LVG & AFS) und FrauenBUNT e.V. durchführen. Ziel des Projekts ist es, Strukturen und Auswirkungen von Rassismus im Gesundheitswesen in Niedersachsen abzubauen – durch Empowerment-Arbeit mit Migrant*innenselbstorganisationen, Sensibilisierung von medizinischem Personal und rassismuskritische Organisationsentwicklung von Krankenhäusern.

Wir danken Prof. Dr. Miriam Richter und Dr. Sabine Könninger für ihre Vorträge, unseren Podiumsgästen für ihre Offenheit, dem niedersaächischen Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi und amfn-Vorstand Dr. Anwar Hadeed für die Grußworte, Sabrina Rahimi für die Moderation – und vor allem allen Teilnehmenden für die vielen Gespräche, die auch in den Pausen nicht enden wollten.

Das Thema ist damit nicht erledigt – es fängt gerade erst an, sichtbar zu werden.

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